Polen, frühe Achtzigerjahre. Das Land wirkt müde, das Fernsehen sendet staatsnahes Dauerrauschen und irgendwo in der Provinz will plötzlich ein UFO gelandet sein. Im Mittelpunkt steht der abgehalfterte Fernsehmoderator Jan Polgar, der recht dringend einen Karriere-Neustart gebrauchen kann. Als in einer Kleinstadt von einer angeblichen Begegnung mit Außerirdischen berichtet wird, wittert er seine Chance. Gemeinsam mit dem lokalen Ufologen und Hobbyforscher Zbigniew Sokolik reist er an, um der Sache halbwegs seriös auf den Grund zu gehen. Was zunächst wie eine skurrile Provinzposse wirkt, zieht zunehmend Kreise. Die staatlichen Stellen interessieren sich auffällig schnell für das Geschehen, Medienberichte werden gelenkt, Zeugenaussagen verschwinden...
"PROJEKT UFO" ist genau die Sorte Serie, die man anmacht, um mal reinzuschauen, und dann sitzt man zwei Stunden später da und denkt sich, na gut, eine Folge noch. Die Mischung aus Mystery, Polit-Satire und melancholischem Zeitporträt funktioniert erstaunlich rund. Das liegt zum einen an der Inszenierung, die die tristen Achtziger in Polen nicht knallbunt zeigt, sondern als graue, leicht absurde Parallelwelt, was recht gut zur UFO-Thematik passt.
Regisseur Kasper Bajon inszeniert das Ganze mit einem feinen Gespür. Er überdreht die Sache nicht. Statt blinkender Sci-Fi-Effekte gibt es skeptische Blicke, Aktenordner und Funktionäre. Das erinnert stellenweise an "AKTE X". Und wer „THE ARRIVAL - DIE ANKUNFT“ mochte, also diesen leisen Zugang zum Thema außerirdisches Leben, wird hier ebenfalls halbwegs glücklich werden. Schauspielerisch ist das eine ziemlich angenehme Angelegenheit. Piotr Adamczyk spielt Jan Polgar mit genau der richtigen Mischung aus Eitelkeit und Verzweiflung. Man glaubt ihm, dass er einerseits die Wahrheit sucht und andererseits dringend Sendezeit braucht. Mateusz Kosciukiewicz gibt dem Ufologen Sokolik eine leise Tragik. Kein Spinner mit Aluhut, sondern ein Mann, der recht fest an etwas glauben möchte.
Produziert wurde die Serie von Telemark in Zusammenarbeit mit Netflix, gedreht wurde unter anderem in polnischen Kleinstädten, die noch diesen leicht bröckelnden Charme vergangener Systeme haben. Visuell ist das alles angenehm unaufgeregt. Keine Effekthascherei, sondern Nebel, Plattenbauten und diese leicht gelbliche Innenbeleuchtung, bei der man automatisch an staatliche Amtsstuben denkt und förmlich den Zigarettendunst riecht. Die Serie lief 2025 weltweit bei Netflix an und wurde auf mehreren europäischen Serienfestivals gezeigt. In Polen erhielt sie Nominierungen bei nationalen Fernsehpreisen. Kurz gesagt, ich mag diese Serie sehr. Sie nimmt ihr Thema ernst, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen. Und sie beweist, dass man für gute Science-Fiction keine Laserkanonen braucht, sondern nur eine gute Idee und ein System, das ohnehin schon ein bisschen außerirdisch wirkt. (Haiko Herden)
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