Im 19. Jahrhundert kämpft eine kleine Gruppe von Fischern an der abgelegenen Küste Islands ums Überleben. Der Winter ist hart, die Vorräte sind knapp, und jeder Tag wird zum Kampf gegen Kälte, Hunger und Isolation. Angeführt wird die Gruppe von der jungen Witwe Eva, die nach dem Tod ihres Mannes Verantwortung übernehmen muss. Als eines Nachts ein Schiff vor der Küste zerschellt, stehen sie vor einer Entscheidung, die alles verändert. Die Überlebenden könnten gerettet werden, doch die eigene Lage ist so verzweifelt, dass jede zusätzliche Person, die die knappen Vorräte verbrauchen wird, das sichere Todesurteil bedeuten könnte. Die Gruppe entscheidet sich dagegen zu helfen. Doch diese Entscheidung war nicht gut. Tote tauchen wieder auf, Visionen setzen ein, und die Grenze zwischen Realität, Schuld und übernatürlichem Grauen beginnt zu verschwimmen...
Regisseur Thordur Palsson liefert hier kein klassisches Horrorspektakel, sondern ein schön kaltes Stück Kino, das seine Wirkung nicht aus Schocks, sondern aus Atmosphäre zieht. Und genau das macht ihn so gut. Diese Landschaft ist atemberaubend atmosphärisch: Eis, Wind, endlose Weite. Man friert beim bloßen Zuschauen. Kameramann Eli Arenson fängt diese Welt so ein, dass sie gleichzeitig wunderschön und komplett lebensfeindlich wirkt. Der Film selbst setzt darüber hinaus den Fokus auf moralische Entscheidungen. Der eigentliche Horror beginnt nicht mit irgendwelchen Kreaturen, sondern mit der Frage: Was bist du bereit zu tun, um zu überleben? Diese Entscheidung, die Schiffbrüchigen nicht zu retten, ist der Dreh- und Angelpunkt. Dabei bleibt lange offen, ob das, was passiert, tatsächlich übernatürlich ist oder einfach nur das Ergebnis von Angst, Isolation und schlechtem Gewissen. Genau dieses Spiel mit Wahrnehmung ist es, was den Film so unangenehm effektiv macht. Er verlässt sich nicht auf billige Effekte, sondern auf dieses schleichende Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Auch interessant ist der folkloristische Einschlag. Die Idee mit dem „Draugr“, also einem rachsüchtigen Untoten aus nordischer Mythologie, wird nicht als plumper Horrortrick eingesetzt, sondern eher als Spiegel für das Innenleben der Figuren. Ob das Wesen real ist oder nur Projektion, bleibt lange unklar. In jedem Fall aber ist es ein echtes mystisches Wesen aus der nordischen Mythologie.
Im Vergleich zu vielen modernen Horrorfilmen wirkt "THE DAMNED" fast schon altmodisch. Kein hektischer Schnitt, keine Dauerbeschallung, keine Effektschlacht. Stattdessen ein ruhiger, konsequenter Aufbau, der sich Zeit nimmt. Das mag nicht jedem gefallen, aber manchem, wie mir, wird genau das gefallen. (Haiko Herden)
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