Die Neue Republik rekrutiert den Mandalorianer und seinen kleinen grünen Ziehsohn Grogu für eine Mission. Rotta der Hutte, der Sohn von Jabba, soll aus seiner Gefangenschaft befreit werden. Dieser wird gezwungen, als Gladiator bei grausamen Kämpfen sein Leben zu riskieren. Dafür winken Informationen, die für Mando wichtig sind...
Ui, kurze Zusammenfassung. Gut, die Geschichte wird keine Oscars einheimsen, aber "STAR WARS" hat noch nie für ein Drehbuch irgendwelche Ehrungen erhalten. "STAR WARS: THE MANDALORIAN AND GROGU" wurde von Jon Favreau inszeniert, der die Serie "THE MANDALORIAN" auch mitentwickelt hat. Der Film setzt die Disney+-Serie fort, funktioniert aber erstaunlich gut auch dann, wenn man nicht jede einzelne Serienverzweigung im Kopf hat. Vieles wurde bewusst ausgeblendet oder nur so weit angerissen, wie es für den Film nötig ist. Das ist angenehm, weil man eben auch als Neuling dabei sein kann. Und selbst für einen Seriengucker sind die drei Staffeln ja auch schon ein paar Jährchen her.
"THE MANDALORIAN AND GROGU" hat mir besser gefallen, als ich erwartet hatte. Das ist inzwischen bei "STAR WARS" ja schon fast eine eigene Qualitätsstufe. Man geht nicht mehr unbedingt rein mit "Bitte werde mein neuer Lieblingsfilm", sondern eher mit "Bitte mach mich nicht wütend". Und siehe da: Der Film macht vieles richtig. Er ist kurzweilig, sieht schön aus, hat gute Action, viele fantasievolle Kreaturen und genug klassisches "STAR WARS"-Gefühl, um das innere Kind zu erfreuen. Der Film ist kein Klassiker. Das muss man gleich sagen, bevor irgendwo jemand nach Ewoks schreit. Dafür fehlt ihm Tiefgang, Überraschung und vielleicht auch Mut. Aber er ist gute, sehr ordentliche Kurzweil. Und bei "STAR WARS" ist das im Jahr 2026 schon einiges wert. Er erinnert inhaltlich eher an ein größeres, teureres Serienabenteuer als an ein monumentales Kinoereignis, aber das muss nicht zwingend schlecht sein. "THE MANDALORIAN" funktionierte immer am besten, wenn es nicht die ganze Galaxis neu sortieren wollte, sondern einen überschaubaren Auftrag, ein paar seltsame Wesen, etwas Westerngefühl und Grogu mit großen Augen in eine Folge packte. Der Film macht im Prinzip genau das, nur breiter, lauter und mit mehr X-Wing-Fightern, eh meine Lieblingsraumschiffe in diesem Universum.
Dann gibt es auch noch wundervolle AT-ATs, einen Dagobah-ähnlichen Dschungelplaneten, Sturmtruppen, die weiterhin schlecht schießen und sehr gut getroffen werden können, fremde Völker, Monster, Raumschiffe, kleine Werkstätten, große Hallen, Helme, dreckige Metallflächen. Das ist alles Fanservice, aber Fanservice ist nicht automatisch schlecht. Manchmal möchte man in einem "STAR WARS"-Film eben genau das sehen: ein paar vertraute Geräusche, ein paar Laserblitze und wunderschöne Maschinen. Der Film liefert das, ohne dass es völlig verzweifelt wirkt.
Die Action ist ordentlich, teils sogar richtig gut. Favreau inszeniert das nicht übermäßig düster, aber mit gutem Timing und einem guten Gefühl dafür, was an Mando funktioniert: Er ist kein großer Redner, sondern ein Mann aus Beskar mit Berufsehre und viel väterlicher Geduld. Pedro Pascal hat natürlich meist den Helm auf, das war ja schon in der Serie so. Und allzu gesprächig ist es auch hier nicht. Und Grogu bleibt natürlich Grogu, der gar nichts sagt. Niedlich, mächtig, hungrig, neugierig, manchmal etwas zu sehr Plüschtier. Der Film übertreibt es jedoch für meinen Geschmack ein bisschen mit der Niedlichkeit. Es gibt Momente, in denen man spürt, wie irgendwo in einer Marketingabteilung das Merch in allem Formen und Größen skizziert wurde. Aber Grogu ist nun mal der Goldesel dieser Saga, und immerhin wird er nicht komplett zur Witzmaschine degradiert. Trotzdem hätte ich mir an einigen Stellen einen düstereren, härteren Film gewünscht.
Apropos niedlich. Diese kleinen Mechanikerwesen, die Anzellaner, sind ebenfalls so ein Fall. Natürlich sind sie niedlich. Wesen, die ungefähr 30 Zentimeter groß sind, sind nun mal niedlich, und bauen eben keine riesigen Raumschiffe, sondern eher welche, die wie Revell-Bausätze aussehen. Kleine Wesen, kleine Schiffe. Das ist logisch. Trotzdem merkt man auch hier: Der Film mag seine putzigen Details sehr. Vielleicht ein bisschen zu sehr.
Über Rotta den Hutten wurde ja auch ordentlich gemeckert, besonders über seine normale Sprache und die nicht gerade erwartbare Stimme. Erst wirkt es tatsächlich komisch, dass Jabbas Sohn keine schleimige Brummelstimme hat, sondern relativ normal spricht. Aber wenn man kurz darüber nachdenkt: Er ist offenbar nicht klassisch unter Hutten aufgewachsen, sondern unter normal sprechenden Wesen aufgewachsen. Es ist also gewöhnungsbedürftig, aber nicht völlig unsinnig. Außerdem ist Sprache in Science-Fiction sowieso immer ein Fass ohne Boden. Warum können eigentlich alle Englisch beziehungsweise Basic sprechen? Warum haben Aliens überhaupt alle Stimmbänder, die Laute formen, die ein Mensch versteht? Wenn man da einmal anfängt, landet man sehr schnell in einer Sackgasse aus Sprachwissenschaften, Anatomie und "STAR WARS"-Logik. Also besser nicht.
Sigourney Weaver ist natürlich auch ein großer Pluspunkt. Dass ausgerechnet sie hier auftaucht, ist natürlich ein kleines Genre-Fest. Diese Frau hat "ALIEN" überlebt (wenn auch "nur" als Klon), mit "AVATAR" wurde sie sogar blau, und auch in "STAR WARS" kann sie glaubwürdig wirken. Ihre Colonel Ward gibt dem Film eine angenehme erwachsene Note.
Die Geschichte selbst ist eher dünn. Natürlich gibt es große Themen: Mythos, Familie, Versuchung, Krieg, Faschismus, Schuld, Sühne, Erlösung, Macht und Lichtschwerter. Aber im Kern war "STAR WARS" immer eher Abenteuerkino. Was ich angenehm fand: wenig Macht-Gedöns. Mando ist kein Jedi. Grogu schon, aber seine Machtmoves bleiben in der Unterzahl.
Nicht ganz glücklich war ich mit dem Soundtrack. Es gibt Momente, in denen das Synthie-Gebiebe merkwürdig quer zum klassischen "STAR WARS"-Gefühl steht. Noch bin ich nicht sicher, ob mich das stört oder ob es sogar gut ist. Einerseits will man im Kino manchmal diese großen Scores, andererseits ist es auch langweilig, wenn "STAR WARS" immer nur auf die eine Art klingt.
Am Ende ging ich jedenfalls nicht enttäuscht aus dem Kino. Eher im Gegenteil. Ich hatte Spaß, habe schöne Bilder gesehen, viele kreative Monster und hübsche Raumschiffe und Gefährte und eben viel "STAR WARS"-Kram allgemein. Der Film ist nicht düster genug, zuweilen zu niedlich, die Story eher schlicht, aber genügend Charme. Also: Kein bedingungsloses Lob, aber eben auch kein Gemecker, wie es so viele taten. (Haiko Herden)
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