(Rowohlt Taschenbuch Verlag)
All die Jahre hat es nie geklappt, eine der Lesungen von Max Goldt in Hamburg zu besuchen, da verhexterweise immer irgendetwas dazwischenkam. Bereits gekaufte Karten für andere Veranstaltungen am gleichen Tag oder gar Urlaub. Nun hatte es Ende 2021 trotz Corona-Einschränkungen geklappt, und es war wie erwartet ein gelungener Leseabend, dem dann auch endlich mein erstes Buch von ihm folgte. Das ist allerdings schon etwas angestaubt, da es von 2003 ist und Texte aus den Jahren 1998 bis 2000 enthält, also Texte, die über zwanzig Jahre alt sind. Besonders deutlich wird es natürlich bei seinem Text über den Verfall von Schriftdeutsch in Zeiten des Faxgerätes. Zumindest aber hat das Retrocharme, und die meisten Texte sind zeitlos. Enthalten sind Kolumnen aus der "Titanic", Betrachtungen und Essays zum Thema "Natur und Kultur". Schön an seinen Texten ist die Unaufgeregheit, die er auch bei seiner Lesung an den Tag legte, bei der er sogar einen längeren Text zum Aufreger "Gendersprache" zum Besten gab, bei dem sich sicherlich manche auf den Schlips getreten fühlten. Jedoch hatte niemand den Saal verlassen, und ich nehme es ihm ab, dass er da ohne Altherrenblick raufschaut, sondern aus der Sicht eines Liebhabers von Sprache.
Das Buch beinhaltet keinen Schenkelklopferhumor, es sind eher Schmunzeltexte mit fein dosiertem Humor. Allerdings auch entfernt von den eher grotesken und absurden Texten aus den Achtzigern, wobei mir zum Beispiel "Die symbolische Nachbarin", "Das anatomische Wunder" oder "Monolog des morganatischen Maurers" einfällt. (Haiko Herden)
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