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The Neon Demon(USA, Dänemark, Frankreich 2016)Originaltitel: Neon Demon, The Alternativtitel: Regie: Nicolas Winding Refn Darsteller/Sprecher: Elle Fanning, Keanu Reeves, Jena Malone, Christina Hendricks, Abbey Lee, Desmond Harrington, Jamie Clayton, Bella Heathcote, Karl Glusman, Alessandro Nivola, Charles Baker, Taylor Marie Hill, Genre: - Drama - Thriller
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Jesse ist gerade 16 Jahre alt, hat keine Eltern mehr und kommt nach Los Angeles, um Karriere als Model zu machen. Sie ist zunächst verschüchtert, ihre außergewöhnliche, zerbrechliche Schönheit und Ausstrahlung öffnet ihr aber schnell Türen. Erste Erfolge stellen sich ein, aber auch Rückschläge und sie muss schnell erkennen, dass in der Modebranche Neid, Missgunst, Oberflächlichkeit und falsche Versprechungen herrschen und ein junges Mädchen in Los Angeles auch anderen Gefahren begegnet…
Nicolas Winding Refn ist als Regisseur so etwas, wie Quentin Tarantino in den 90er Jahren. Ein eigenwilliger Künstler, der Filme liebt und seinen ganz eigenen Stil entwickelt hat, ohne auf Konventionen zu achten. „Pusher“, „Drive“ und „Only God Forgives“ haben ihn zu einem Kritiker- und Festivalliebling gemacht und zu einem Favoriten von Filmliebhabern auf der ganzen Welt. Für den Mainstreamkino-Fan ist er eher nicht geeignet da in seinen Filmen Stil über Story geht und seine außergewöhnliche Bildsprache oft deftig und verstörend ist. Einfache Unterhaltung oder gar kommerziell sind seine Werke nicht.
Sein 2016er Werk „The Neon Demon“ ist ein neuer Höhepunkt in Winding Refns Schaffen, was viele Gründe hat. Zum einen definitiv die gewaltigen, durchkomponierten Bilder, wo jede Farbe, jedes Detail und jeder Blickwinkel absolut perfekt durchgestylt ist. Was Sinn ergibt, denn es geht ja um die absolut künstliche Modewelt, wo es ja genau so zugeht. Es wird nicht die Realität abgebildet, sondern eine Traumwelt. Die Optik erinnert oftmals stark an die früheren Filme von Dario Argento, vor allem an sein Meisterwerk „Suspiria“, das ja sicher nicht zufällig ebenfalls in einer oberflächlichen Scheinwelt – einer Ballettschule – spielte, wo Neid und Missgunst ebenfalls im Mittelpunkt standen.
„The Neon Demon“ ist jedoch kein Horrorfilm, obwohl vor allem zum Ende hin einige Elemente dieses Genres aufgegriffen werden. Es ist ein Drama mit Thriller-Anklängen und letztlich eine Coming-of-Age-Story, die aber im Moment des Erwachsenseins abrupt abbricht. Dass das so perfekt funktioniert liegt an der wunderbaren Elle Fanning in der Rolle der naiven „Jesse“, die hier den Übergang vom Kinderstar zur ernsthaften Schauspielerin innerhalb nur eines Films vollbracht hat. Ähnliche Karrieren haben in den letzten Jahren nur Emma Watson, Natalie Portman und Christina Ricci hingelegt. Fanning ist hier eine eigentlich gar nicht mal so klassische Schönheit, die aber durch ihre Zerbrechlichkeit und schüchterne Naivität total in ihren Bann zieht. Nach diesem Auftritt ist es ausgesprochen spannend, wie es mit ihrer Karriere weitergeht.
Alle anderen Figuren bleiben wenig greifbar, weil sie – vom Regisseur gewollt – komplett emotionslos erscheinen und kaum Hintergrund erhalten. Gerade das macht aber die Stimmung von „The Neon Demon“ aus und die Leistung aller Darsteller ist einwandfrei.
Neben der Optik trägt aber auch und vor allem der fantastische elektronische Soundtrack zur Atmosphäre – die eine kalte ist – des Films bei, so dass „The Neon Demon“ zu einem großartigen, bildgewaltigen Werk wird, das Filmfans begeistern wird. Nur eine straighte oder gar unterhaltsame Story darf man eben nicht erwarten. Und ich hatte erwartet, dass da mehr Sex drin ist, was ja aber mit einer 16jährigen Haupdarstellerin schwer umsetzbar ist. Man nehme „Showgirls“, „Black Swan“, „Suspiria“ und den Underground-New Wave-Kultfilm „Liquid Sky“, mische das alles ordentlich mit der visionären Kraft und der Symbolik (Spiegel! Dreiecke!) von Nicolas Winding Refn und man bekommt einen leichten Eindruck, was einen bei „The Neon Demon“ erwartet. Dass es in den letzten 20 Minuten noch eine echt überraschende Wendung gibt, ist da nur ein weiterer Pluspunkt, denn das, was man da zu sehen bekommt, hat man auf keinen Fall erwartet. Nichts für zartbesaitete Gemüter.
In Deutschland ist der Film nach einer kurzen Kinoauswertung bei Koch Media erschienen, was eigentlich immer für eine hervorragende Umsetzung garantiert. Die einfache Blu Ray (es gibt auch ein aufwändiges Mediabook, eine Steelbook-Edition und natürlich eine DVD) bietet eine hervorragende Bildqualität. Die kühlen Bilder kommen gestochen Scharf rüber. Auch beim Ton muss man keine Abstriche machen, was vor allem für den tollen Soundtrack wichtig ist. Beim Ton kann man zwischen Deutsch und Englisch wählen, dazu gibt es deutschsprachige Untertitel. Das Bonusmaterial ist endlich mal wieder sehr interessant. Im Mittelpunkt steht der Audiokommentar von Regisseur und Hauptdarstellerin. Dazu gibt es Interviews, ein bisschen Behind The Scenes-Material, Trailer und Bildergalerie, ein kurzes Grußwort von Winding Refn und eine sehr interessantes italienisches Interview, in dem der Regisseur ziemlich natürlich und sympathisch rüberkommt. (A.P.)
| Alles von Nicolas Winding Refn in dieser Datenbank:
- Copenhagen Cowboy (Mini-Serie) (Dänemark 2022) - Neon Demon, The (USA, Dänemark, Frankreich 2016) - Only God Forgives (Frankreich, Schweden, Thailand, USA 2013) - Walhalla Rising (Dänemark, Großbritannien 2009) - Bleeder (Dänemark 1999) | |
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