New York der 1950er. Die Mafiosi Frank Costello und Vito Genovese waren einst Freunde, nun Rivalen. Der eine, Costello, führt die mächtige Luciano-Familie, will sich vielleicht langsam zurückziehen; der andere, Genovese, übt Druck aus, will mehr Macht und hört auf niemamden, erst recht nicht auf Costello. Ein Attentatsversuch 1957 auf Costello überlebt dieser, doch es hat Konsequenzen. Die Machtpositionen verschieben sich, Intrigen, Senatorenanhörungen und gesellschaftlicher Wandel tun ihr übriges...
Robert de Niro gibt sich nicht mit einer Rolle zufrieden. Und auch nicht mit zwei, nein, es müssen gleich die beiden Hauptrollen sein: Costello und Genovese. Wenn man ein Fan von klassischen Mafia-Filmen ist, also solche mit älteren Herren im Anzug, schummriger Barbeleuchtung, Zigarrenqualm und mehr Flüsterei als Geballer, dann liefert "THE ALTO KNIGHTS" durchaus das Versprochene. Unter der Regie von Barry Levinson (dessen bekanntester Film vielleicht "RAIN MAN" ist) und mit einem Drehbuch von Nicholas Pileggi (bekannt für "GOODFELLAS") entsteht hier ein Werk, das sich an Zeitzeugen-Mafia-Erzählung orientiert. Die Ausstattung ist solide: Autos, Einrichtung, Kostüme, man fühlt sich ein bisschen in die 50er/60er zurückversetzt.
Ich fand das Ganze ganz ordentlich, nicht überragend, aber eben zufriedenstellend, wenn man sich darauf einlässt. De Niro ist so weit ich sehe in Form, auch wenn das Doppelrollen-Konzept etwas angestrengt wirkt: Zwei Charaktere mit einer einzigen Schauspielerstimme, und man merkt gelegentlich, wie versucht wurde, Unterschiede per Make-Up & Haltung zu schaffen. Das ist mutig, aber auch ein wenig bemüht, das wäre ja nicht wirklich nötig gewesen und hat storytechnisch auch gar keinen Sinn. Und hier kommt mein kleiner Kritikpunkt: Ich guckte die deutsche Synchronfassung, und die Stimmen der alten Herren wirkten ein wenig "quietschig", als hätten sie ihre Mafia-Bedrohlichkeit in eine Art Klischee-Cartoon-Sprechweise abgegeben. Es liegt vermutlich daran, dass Synchronsprecher Christian Brückner versuchen musste, für beide Figuren etwas Unterschiedliches zu generieren. Es klingt leider eher wie eine Karikatur.
Der Film reiht sich in die Reihe solcher Mafia-Epen ein, etwa neben "CASINO" oder "ONCE UPON A TIME IN AMERICA", nicht ganz auf deren Niveau, aber in ihrer Spur. Gleichzeitig führt er sich ein wenig wie eine nostalgisch gefärbte Rückschau auf das Genre: die gealterten Bosse, die alten Tugenden, die bröckelnde Macht. Entsprechend ist auch die lange Länge des Filmes. Die Dynamik bleibt hin und wieder unter dem Durchschnitt. Es gibt Passagen, in denen die Erzählung sich ein wenig zieht. Auch die Dialoge wirken manchmal etwas bemüht, als wolle man dem Ganzen etwas mehr Gewicht verleihen, was eigentlich nicht nötig wäre.
Der Film basiert auf wahren Begebenheiten (die Rivalität zwischen Costello und Genovese) und zeigt die Nachkriegszeit und den amerikanischen Aufstieg des organisierten Verbrechens. Wenn man Lust auf einen klassischen Mafia-Film hast mit einem Altmeister wie De Niro, mit Schlips, Zigarrenrauch und dieser besonderen Sprechweise, ich glaube, man nennt ihn Mobster Talk, dann ist "THE ALTO KNIGHTS" genau richtig. (Haiko Herden)
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