Nach den Ereignissen der Serie ist Tommy Shelby längst zur Legende geworden. Er hat sich zurückgezogen und arbeitet an einem Buch. Während sich Europa politisch weiter gen Faschismus zuspitzt, wird Shelby zugetragen, dass sein Sohn, der nun das kriminelle Shelby-Treiben leitet, zu einem Riesenarschloch geworden ist. Da muss Tommy dann leider doch nochmal ran und seinen Sohn auf den rechten Pfad der kriminellen Tugend zurückholen...
Es ist ja immer so eine Sache mit Filmen zu bereits abgeschlossenen Serienverfilmungen. Oft fühlt sich das an wie ein unnötiger Nachschlag, den niemand wirklich gebraucht hätte. "PEAKY BLINDERS – THE IMMORTAL MAN" macht da zum Glück nicht mit. Der Film wirkt nicht wie ein Anhängsel, sondern eher wie ein bewusst gesetzter Schlusspunkt. Cillian Murphy trägt das Ganze wieder mit dieser stoischen Intensität, die ihn schon in der Serie so faszinierend gemacht hat. Spätestens seit "OPPENHEIMER" weiß man ja, dass der Mann ganze Filme allein zusammenhalten kann, und hier zeigt er das erneut. Sein Tommy Shelby ist müde geworden, aber keineswegs schwach. Rebecca Ferguson bringt eine ganz eigene Energie in den Film. Man kennt sie aus "MISSION: IMPOSSIBLE – FALLOUT" oder "DUNE". Ihre Figur ist kein bloßes Beiwerk, sondern jemand, der Tommys Welt spürbar beeinflusst. Stephen Graham, ohnehin ein Dauerbrenner in britischen Produktionen, liefert ebenfalls ab. Wer ihn aus "THIS IS ENGLAND" oder "BOARDWALK EMPIRE" kennt, weiß, dass er diese Mischung aus roher Energie und emotionaler Tiefe beherrscht. Hier bringt er genau das ein. Seine Szenen haben Gewicht, selbst wenn er nur im Raum steht und nichts sagt. Der Film selbst fühlt sich wie eine logische Weiterentwicklung der Serie an. "PEAKY BLINDERS" war ja nie nur Gangsterdrama, sondern immer auch ein Blick auf eine Gesellschaft im Umbruch. Industrie, Politik, Kriegstraumata, all das schwang immer mit. "THE IMMORTAL MAN" greift das auf. Die Welt wird größer, die Konflikte komplexer, aber der Fokus bleibt auf den Figuren. Visuell bleibt alles beim Alten, im besten Sinne. Diese kühlen Bilder, das Spiel mit Licht und Schatten, die ikonischen Zeitlupenmomente. Man erkennt sofort, wo man ist. Und dann dieser Soundtrack. Ganz ehrlich, der Soundtrack war schon in der Serie ein Highlight, und hier wird nochmal eine Schippe draufgelegt. Moderne Tracks treffen auf historische Bilder, ohne dass es jemals unpassend wirkt. Nick Cave, Arctic Monkeys, vielleicht noch ein bisschen Radiohead-Vibe. Das Ganze hat diese leicht melancholische, treibende Energie, die perfekt passt. Im Vergleich zu anderen Serienfilmadaptionen wirkt das gut durchdacht. Kein Fanservice-Overkill, keine unnötigen Nebenplots, sondern ein klarer Fokus. Natürlich ist der Film nichts für Einsteiger. Wer die Serie nicht kennt, wird sich hier eher verloren fühlen. Aber für alle, die Tommy Shelbys Weg verfolgt haben, ist das genau der Abschluss, den man sich erhofft hat. (Haiko Herden)
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