Tim und Olivia stecken in einer Beziehungskrise wegen eines verlorenen Kindes. Am nächsten Morgen ist allerdings plötzlich ein ganz anderes Problem da: Ihre Wohnung ist von einer mysteriösen schwarzen Mauer eingeschlossen. Fenster, Türen, Auswege, alles dicht. Das ist für eine Trennung natürlich ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt. Man kann ja schlecht dramatisch gehen, wenn da eine Wand ist. Bald merken die beiden, dass nicht nur ihre Wohnung betroffen ist, nachdem sie sich durch Wände gearbeitet haben. Auch andere Bewohner des Hauses sind eingeschlossen, darunter der misstrauische Yuri, die Nachbarn Ana und Marvin, die junge Lea und weitere Hausbewohner. Gemeinsam versucht man, einen Ausweg zu finden, doch je länger die Situation dauert, desto stärker kippt die Stimmung...
"BRICK" (hat nichts mit dem gleichnamigen Film von Rian Johnson zu tun) hat erst einmal eine wirklich gute Grundidee. Ein Wohnhaus, das plötzlich von einer undurchdringlichen schwarzen Mauer eingeschlossen wird. Keine Erklärung, kein Ausgang, kein Ansprechpartner, nur diese Wand. Daraus könnte man einen schön klaustrophobischen Mystery-Thriller machen, irgendwo zwischen "CUBE", "DIE WAND". Das Problem ist: Der Film hat diese Idee, aber er bekommt sie nicht richtig zum Leben. Oder besser gesagt: Er mauert sich selbst ein. Ja, der musste sein.
Philip Koch hat auch schon die Netflix-Serie "TRIBES OF EUROPA" gemacht, die in meinen Augen grundsätzlich das gleiche Problem hat. Der Film will Apokalypse, Isolation und Bedrohung, fühlt sich aber oft erstaunlich klein an. Nicht klein im guten Sinne von konzentriert oder klaustrophobisch, sondern eher klein, als ob man in einem Escape-Room gefangen wäre. Das Apokalyptische kommt einfach nicht richtig rüber. Man müsste das Gefühl haben, dass hier etwas Unbegreifliches passiert, dass Ordnung, Stadt, Alltag und Realität gerade wegbrechen. Aber das fehlt. Matthias Schweighöfer spielt Tim, und hier kommt das persönliche Problem: Schweighöfer ist sicher ein sympathischer Mensch, er kann lustig sein, er hat Charme, er hat sich international mit "ARMY OF THE DEAD" und "ARMY OF THIEVES" recht sichtbar positioniert. Aber als Schauspieler ist er für mich inzwischen schwer unbelastet zu sehen. Man weiß zu viel über ihn, kennt zu viele Quatsch-Auftritte, dadurch kann man der Figur Tim keinen richtigen Glauben schenken. Ich sehe nicht nur einen Mann, der in einer absurden Bedrohungssituation steckt, sondern eben auch Matthias Schweighöfer, der gerade sehr ernst guckt. Das ist nicht fair, ich weiß, aber ich kann nichts dagegen tun.
Das Drehbuch hat ein ähnliches Problem. Es stellt Fragen, die interessant sein könnten: Was passiert, wenn Menschen plötzlich eingeschlossen sind? Wie schnell bricht Vertrauen? Ist die Mauer Schutz oder Gefängnis? Steckt Technik dahinter, Paranoia, Absicht, Unfall, Außerirdische? Das ist alles brauchbar. Aber der Film erklärt und verschiebt seine Rätsel auf eine Weise, die eher mechanisch wirkt.
Der Vergleich mit "CUBE" liegt nahe, weil auch dort Menschen in einer künstlichen, rätselhaften Gefängnissituation landen und die Gruppenpsychologie langsam ungemütlich wird. "CUBE" hatte wenig Geld, aber eine klare, böse Idee und ein starkes Gefühl für Ausweglosigkeit. "BRICK" hat die modernere Oberfläche, aber wenig Biss. (Haiko Herden)
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