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HAIKO´S FILMLEXIKON
CRASH Daß
dieser Film ein völliger Mißerfolg in kommerzieller Hinsicht
werden würde, ist ja eigentlich schon von Anfang an klargewesen. Zu
provozierend das Thema, zu düster und klinisch steril gefilmt und
irgendwie nicht im geringsten nett. Das sind aber auch ganz genau die Dinge,
die diesen Film gut machen und ihn von der ganzen Mainstream-Scheisse abheben
lassen. Die Geschichte ist schon etwas älter, nämlich von 1973,
doch sie ist heute aktueller denn je, denn in der heutigen Zeit wird die
Erotik derartig hochgejubelt, und es wird einem vorgemacht, daß man
jeden Tag großartige, neue Stellungen ausprobieren muß, bis
zu der Grenze, an der einem nichts mehr einfällt. Genau von dieser
Grenze handelt dieser Film: sexuelle Befriedigung nur noch zwischen verborstenen
Autos und blutenden Unfallopfern. Genaugenommen wird die Grenze überschritten
und gezeigt, was danach kommt, nämlich die Umformung des menschlichen
Körpers durch die moderne Technologie. Was ebenfalls gut ist, ist
die Tatsache, daß die Autounfälle hier wenigstens mal realistisch
in Szene gesetzt wurden, d.h. die Wagen explodieren nicht und reißen
damit den ganzen Stadtteil ins Jenseits, sondern es kracht nur. Ein wahrhaft
wichtiger Film!
Originaltitel: Crash Regie: David Cronenberg Darsteller: James Spader, Holly Hunter, Deborah Unger, Rosanna Arquette USA 1996 (H.H.) CRASH
In diesem Film geht es um Sex und Autounfälle, genauer gesagt um Leute, die ihren sexuellen Kick durch Autounfälle bekommen und diese deshalb selber inszenieren und provozieren. Regiemeister David Cronenberg hat hier einen weiteren Knaller geschaffen, der sich diesmal weder im Science Fiction-, noch im Horror-Genre bewegt, aber dennoch Ähnlichkeiten zu seinem Klassiker „VIDEODROME“ und zum später entstandenen „EXISTENZ“ aufweist, geht es doch in allen drei Filmen um den Einfluss, den die Technik auf den Menschen ausübt. Mit James Spader, Holly Hunter, Deborah Unger, Elias Koteas und Rosanna Arquette hat Cronenberg eine absolute Starbesetzung zusammenbekommen und die Schauspieler zu ungewohnten Leistungen animiert, die sie bei anderen Regisseuren wahrscheinlich nicht gezeigt hätten. Alleine die expliziten erotischen Szenen, die niemals schlicht pornographisch rüberkommen, erforderten sicherlich eine Menge Vertrauen zum Regisseur. Für diesen Film sind die Sexszenen jedoch absolut notwendig und nicht selbstzweckhaft. Aufgrund der Gewalt und des Sex ist es klar, daß der Film das Massenpublikum nicht erreichen konnte, dennoch hat Cronenberg hier einen seiner besten Filme abgeliefert, der auch auf dem Filmfestival von Cannes geehrt wurde. Wer eine durchgehende Handlung erwartet, könnte etwas enttäuscht sein, dafür ist der Film zu episodenhaft. Stattdessen wird eine grausame Ästhetik der Zerstörung gezeigt, die für schwache Nerven wahrlich nicht geeignet ist. Von der Atmosphäre her würde ich den Film als Mischung aus „FIGHT CLUB“ und „NEKROMANTIK 2“ einordnen, vor allem, was die Kompromisslosigkeit angeht. Fans von düsteren Thrillern sollten hier ein Auge drauf werfen, für Fans von David Cronenberg ist der Film sowieso unverzichtbar. Zur Atmosphäre trägt auch der aussergewöhnlich passende Soundtrack bei. Ich bin absolut begeistert. Die DVD von Kinowelt hat gute Bild- und Tonqualität und kommt in Widescreen auf Deutsch oder Englisch (mit nicht ausblendbaren Untertiteln). Als Bonus gibt es den Trailer, sowie ein kurzes Special mit Filmausschnitten und Interview-Ausschnitten von Cronenberg, sowie ein paar Trailer zu anderen Filmen. Originaltitel: Crash Regie: David Cronenberg Darsteller: James Spader, Holly Hunter, Deborah Unger, Rosanna Arquette USA 1996 Kinowelt DVD (A.P.) ZURÜCK ZUM FILMLEXIKON |