László Tóth ist ein ungarisch-jüdischer Architekt, der den Holocaust überlebt hat und nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA auswandert, um sich dort ein neues Leben aufzubauen. In Europa hat er alles verloren oder zumindest fast alles, in Amerika wartet dagegen nicht sofort das große Glück, sondern erst einmal harte Realität, schlechte Jobs und das Gefühl, in einem fremden Land geduldet zu sein, aber nicht wirklich dazuzugehören. Seine Frau Erzsébet und weitere Familienmitglieder sitzen zunächst noch in Europa fest, was seine Lage zusätzlich schwer macht. Durch Zufall gerät László an den wohlhabenden Industriellen Harrison Lee Van Buren, der sein Talent erkennt und ihm einen prestigeträchtigen Auftrag anbietet. Es geht um ein monumentales Bauprojekt, das nicht nur architektonisch, sondern auch gesellschaftlich Bedeutung haben soll. Für László ist das die Chance, endlich sichtbar zu werden, beruflich wie menschlich. Doch je größer das Projekt wird, desto komplizierter wird alles andere...
"DER BRUTALIST" ist ein Film, der einem schon mit seiner Laufzeit mitteilt, dass es mutmaßlich intellektuell wird. Über drei Stunden, inklusive Pause, auch auf DVD/BD oder beim Streaming. Regisseur Brady Corbet, den manche noch aus "FUNNY GAMES U.S." kennen, liefert hier ein fast monumentales Historien- und Künstlerdrama ab, das gleichzeitig bewundernswert ambitioniert und zwischendurch auch ein bisschen einschläfernd ist. Beides darf man ruhig nebeneinander stehen lassen. Adrien Brody trägt den Film mit einer Mischung aus Müdigkeit, Stolz und innerer Zerrissenheit, die ganz gut funktioniert. Für die Rolle hat Brody sich Berichten zufolge intensiv mit Architekturgeschichte, europäischer Nachkriegserfahrung und ungarischer Sprachmelodie beschäftigt. Außerdem soll er deutlich Gewicht verloren und sich lange in diese gebrochene Körperhaltung hineingearbeitet haben. Man sieht ihm an, dass er hier nicht einfach nur geschniegelt ins Bild marschiert und Text aufsagt.
Auch wenn es so erscheint, aber es ist kein Biopic, László Tóth ist keine historische Figur du erzählt mit ihr eine Geschichte mit den Themen Antisemitismus, Klassendenken, kulturelle Ausbeutung und die Frage, wem Kunst eigentlich gehört. Dem Künstler oder dem Geldgeber. Der Titel verweist natürlich auf den Brutalismus, also der Architekturrichtung, die mit rohem Beton, klaren Formen, übergroßen Brachialgebäuden und wenig dekorativem Charme arbeitet. Visuell ist der Film übrigens weit über dem Durchschnitt. Der Film wirkt teuer, ohne geschniegelt nach Prestigeprojekt auszusehen. Eher wie ein Werk, das wirklich etwas erzählen will. Arthouse. Dass der Film im Rennen um Preise eine große Rolle spielte, überrascht nicht. Er wurde auf Festivals gefeiert, gewann wichtige Kritikerpreise und galt früh als ernsthafter Kandidat für die Oscar-Saison. Solche Produktionen lieben Jurys anscheinend, auch oder gerade weil sie auch ein bisschen langweilig und langatmig sind und dadurch nach mehr wirken als sie eigentlich sind. (Haiko Herden)
|