(Suhrkamp 1955)
"WEM GEHÖRT DIE ERDE" von John Wyndham spielt in einer Zukunft, die man sich grob so vorstellt: die Welt ist nach einer furchtbaren Katastrophe, von der man vermutet, es sei ein Atomkrieg gewesen, nicht mehr das, was sie einmal war. Menschen haben sich in kleinen, streng geführten Siedlungen zusammengefunden und versuchen zu überleben. Im Zentrum steht der junge David Strorm, der in einer Gesellschaft aufwächst, in der jede Abweichung von einem als "normal" angesehenen Menschenbild als Blasphemie gilt und ohne viel Federlesens verfolgt oder verstoßen oder gar vernichtet wird. David entdeckt früh, wie gefährlich es ist, anders zu sein, als er Sophie trifft, die ein körperliches Merkmal hat, das ihrer Gemeinschaft suspekt ist (ein fehlender Zeh). Später merkt er, dass auch seine eigenen Gedanken nicht so gewöhnlich sind, wie er dachte, er und ein paar andere Kinder haben telepathische Fähigkeiten, die über große Entfernungen hinweg funktionieren. Zusammen mit anderen, die ebenfalls "abweichend" sind, gerät er ins Visier der herrschenden Ordnung und begibt sich mit mit anderen auf die Flucht in ein mysteriöses Land, in dem alles und alle anders sein sollen...
John Wyndham, ein Brite, der Mitte des 20. Jahrhunderts mit Klassikern wie "DIE TRIFFIDS" (aka "BLUMEN DES SCHRECKENS") großen Einfluss auf die Science-Fiction hatte, gönnt seinem Leser hier keine schicke Hightech-Utopie, sondern eine roh zusammengezimmerte Welt. Wobei Wyndham ja auch gar nicht ein solcher Autor war, der Raumschiffe und Zukunftsutopien vorstellt. Das Buch kommt aus dem Jahr 1955, wirkt aber überraschend modern. Die Art, wie Wyndham mit Vorurteilen, religiösem Eifer und menschlicher Engstirnigkeit spielt, macht es letztlich recht zeitlos. Die Geschichte rund um David, sein Erwachsenwerden und die Entdeckung, dass Anderssein kein Grund zur Verurteilung, sondern eine Chance sein kann, ist interessant umgesetzt. Das Buch kann man in mehrfacher Hinsicht sozialkritisch lesen, Angst vor dem Fremden, Angst vor dem Herausstechen aus der Masse, Gottesfürchtigkeit inklusive gefährlichen Deutungen der Bibel und vieles mehr. Teilweise erinnert die Jagd der Leute an die Hexenjagden aus dem Mittelalter. Ein spannendes Buch, das eigentlich sogar eine Fortsetzung verdient hätte. (Haiko Herden)
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