Winston Gooze ist Hausmeister, chronisch pleite, gesundheitlich angeschlagen und generell jemand, den man übersieht. Sein Leben besteht aus Sorgen um seinen Stiefsohn Wade, Rechnungen, die sich nicht von selbst bezahlen, und einem Job bei einem merkwürdigen Pharmaunternehmen namens BTH. Als Winston erfährt, dass er schwer krank ist und sich die nötige Behandlung nicht leisten kann, scheint eh alles aus zu sein. Ein Einbruch, dann eine Begegnung mit einem Kriminellen und dann auch noch ein Unfall mit radioaktivem Abfall, und schon ist Winston tot. Oder doch nicht. Er kehrt als grotesk mutierte Kreatur zurück, ausgestattet mit unnatürlichen Selbstheilungskräften und einer ziemlich Wut auf alle, die ihn geärgert haben. Als Toxic Avenger beginnt er, sich gegen das korrupte System zu stellen. Dabei gerät er nicht nur mit skrupellosen Geschäftsleuten und üblen Schlägertrupps aneinander, sondern versucht gleichzeitig, seinem Stiefsohn zu zeigen, dass unter der ganzen schleimigen Oberfläche noch immer derselbe Mensch, sein Vater, steckt...
Regisseur Macon Blair, der bisher eher kleinere Filme gemacht hat, liefert hier eine Neuinterpretation, die recht respektvoll mit ihrem Ursprung umgeht und entsprechend durchdreht. Das Original "THE TOXIC AVENGER" von 1984, produziert von Troma Entertainment unter Führung von Lloyd Kaufman, war nie ein "normaler" Film. Das war billiger, dreckiger, hemmungsloser Exploitation-Kram mit einer Mischung aus Splatter, Satire und einer guten Portion Wahnsinn. Troma stand immer für genau diese Art Kino bzw. Direct-to-Video-Produktionen. Niedriges Budget, null Zurückhaltung, dafür maximaler Irrsinn. Und das hat der neue Film ganz gut verstanden. Er versucht gar nicht erst, das Ganze geschniegelt oder modernisiert im Sinne von glatt zu machen. Stattdessen nimmt er diesen Troma-Geist und überträgt ihn in eine größere Produktion. Mehr Budget, und bekanntere Gesichter, okay, aber im Kern bleibt das Ganze angenehm schräg. Dass hier plötzlich Leute wie Peter Dinklage, Kevin Bacon oder Elijah Wood mitspielen, könnte theoretisch alles ruinieren. Tut es aber nicht. Im Gegenteil. Gerade weil diese Leute sich komplett auf den Ton einlassen, funktioniert das gut. Niemand versucht hier, das Ganze seriös zu spielen. Alle wissen anscheinend genau, in welchem Film sie gelandet sind. Inhaltlich ist das natürlich immer noch eine ziemlich simple Geschichte. Außenseiter wird zum Monster, Monster wird zum Helden, böse Konzerne bekommen auf die Nase. Aber der Film packt das in eine Mischung aus schwarzem Humor, überzeichneter Gewalt mit viel Blut und Gesellschaftskritik. Gerade die Seitenhiebe auf das Gesundheitssystem und auf Konzernmacht passen gut, ohne dass der Film sich allerdings dabei zu wichtig nimmt. Der Film ist laut, bunt, manchmal albern, aber eben nie beliebig. Auch interessant ist die Produktionsgeschichte. Der Film war im Grunde fertig, lief schon 2023 auf Festivals und hatte dann erstmal Probleme, überhaupt einen Verleih zu finden, weil er vielen schlicht zu extrem war. Das ist eigentlich das beste Qualitätssiegel, das so ein Film haben kann. Aber wenn es drauf ankommt, wird man sicherlich das Original anschauen. (Haiko Herden)
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