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Die Nackte Kanone

(USA 1988)

Originaltitel: Naked Gun, The - From the Files of Police Squad
Alternativtitel:
Regie:
David Zucker
Darsteller/Sprecher: Leslie Nielsen, Priscilla Presley, George Kennedy, Ricardo Montalban, O.J. Simpson, Raye Birk, Susan Beaubian, Nancy Marchand, Jeannette Charles, Ed Williams, Tiny Ron, "Weird Al" Yankovic,
Genre: - Komödie


Frank Drebin (Leslie Nielsen), Polizist bei der Spezialeinheit, "einer speziellen Spezialeinheit der Spezialpolizei" die zum Großteil aus grenzdebilen Kindsköpfen besteht, was ihn ganz und gar nicht ausschließt, ist gerade aus einem Urlaub im Nahen Osten, bei dem er ganz nebenbei und ohne nennenswerte Probleme ein gemütliches Terroristen-Kaffekränzchen sprengen konnte und u.a. Gaddafi, Arafat und Gorbatschow aufs Kreuz legte, nach L.A. zurück gekehrt . Sein Kumpel Ed (George Kennedy), sichtbar ein Gourmand, holt ihn vom Flughafen ab und hat ihm einiges zu berichten. Drebin steht nun vor einem Scherbenhaufen. Seine Frau hat ihn wegen ihres jüngeren Liebhabers verlassen und Kollege und Freund Nordberg (sichtlich nicht wirklich ein Schauspieler: O.J. Simpson) wurde während einer Undercover-Ermittlung im Drogen-Milieu auf dem Schiff "I LUV YOU" des einflussreichen Geschäftsmannes Vincent Ludwig (Ricardo Montalban) übel zugerichtet. Nachdem dieser bei einem Besuch Drebins gründlich verhört, verzeihung, verstört wird (u.a. geben ein unbezahlbarer Kugelschreiber des japanischen Kaisers Hirohito und ein Kampffisch den Geist auf), setzt Ludwig seine überaus attraktive Sekretärin Jane (Priscilla Presley) auf seinen Widersacher an, was die ganze Angelegenheit weiter kompliziert (oder simplifiziert?). Die beiden einsamen Seelen verlieben sich. Von einer gefährlichen Mixtur aus Naivität und Verbohrtheit getrieben, ermittelt Drebin weiter, wagt einen Einbruch und entdeckt in Ludwigs luxuriösen Büro einen schriftlichen Beweis für eine perfide kriminelle Schandtat: Queen Elizabeth II. (Jeanette Charles, ihrem realen Vorbild durchaus ähnlich) soll während ihres Besuches in L.A. einem Attentat zum Opfer fallen. Durch einen für ihn üblichen dummen Zufall verbrennt Drebin das Beweisstück, setzt das gesamte Großraumbüro in Brand, zerstört einen Großteil Ludwigs sündhaft teurer Gemälde und Vasen, flieht aus dem Fenster und belästigt eine Nachbarin mit einem Beton–Phallus. Nachdem er zuvor bereits einen (missglückten) Anschlag auf Nordberg verüben ließ, verliert Drebins Erzfeind nun endgültig die Geduld. Der Quälgeist soll sterben...

Beschäftigen wir uns zunächst mit dem Offensichtlichen. Es mag vielleicht nicht unbedingt clever erscheinen, einem Film in seiner Rezension so früh mit Lob zu überschütten, aber warum lange um den heißen Brei herumreden? "Die Nackte Kanone" gehört definitiv zu den lustigsten Filmen, die je gedreht wurden. Würde man den Autor dieser Zeilen einer chinesischen Wasserfolter unterziehen und, was weitaus schlimmer ist, parallel dazu zwingen, die komplette Diskographie von Dieter Bohlen zu hören, er bliebe bei seiner Meinung. ZAZ (Zucker, Abrahams, Zucker, an Pat Proft, den armen Kerl, hat mal wieder keiner gedacht) kennen kein Erbarmen mit den Lachmuskeln des Zuschauers, da werden alle erdenklichen Mittel ohne Gnade angewendet. Von herrlich altmodischem Slapstick (die Verwüstung von Ludwigs Büro), grotesk übersteigerten Situationen (Nordbergs Attentäter kracht in einen beladenen Truck, ein Panzerfahrzeug und schließlich in eine Feuerwerksfabrik!) Buchstabendrehern( "Tell Tod, äh, toll, Ted!"), patentiert sinnfreien Konversationen("Haben Sie nicht Angst, dass Ihre Kanone einmal los geht?" – "Nein, nicht mehr, jetzt denke ich einfach an Baseball."), bis an Peinlichkeitsgrenzen auslotende Situationen (zumindest für eine Mainstream-Komödie A.D. 1988!) wie Drebins sich an eine Pressekonferenz anschließender Toilettenbesuch, bei dem das vornehme Saalpublikum aufgrund eines angelassenen Mikrofons Drebins Wasserlassen und ausgiebigen Blähungen lauschen muss, reicht die ZAZ-Palette der Komik. Gekrönt wird das Ganze von Leslie Nielsens präziser "deadpan"-Performance. An manchen Stellen wirkt er fast so, als würde er versuchen, William Shatner zu imitieren, der eigentlich auf dem Weg zum "T.J. Hooker"-Set war, dann aber zunächst dem nächsten Buffet oberste Priorität erachtete, sich nun ins falsche Studio verirrte und auf dem Weg eine ganze Packung Valium zu sich nahm. Nielsens stoische Ernsthaftigkeit steht in völligem Gegensatz zu dem hirnerweichenden Nonsens, den er von sich geben muss, und gerade diese Art ist es, die den Film so gut funktionieren lässt. Unser Protagonist ist ein aufrechter Polizist, auch wenn er grenzenlos verblödet ist und um sich herum ein fürchterliches Chaos hinterlässt. Wir lachen mit ihm, nicht über ihn. Er ist kein Clown, stattdessen verkörpert eine Menge an menschlichen Schwächen, die ihn aber letztlich auch sehr menschlich und sympathisch machen, im Gegensatz zu ikonenhaften, unantastbaren Figuren wie "Dirty Harry", dem titelgebenden Helden aus Don Siegels Film (1971) aus dem beispielsweise ein Dialog fast wörtlich zitiert und dadurch gründlich veralbert wird, was zudem zu einem anderem Aspekt des Films führt, nämlich seine Funktion als Parodie (griech. "Gegengesang") auf das Genre des Polizeifilms und, wie gerade erwähnt, einzelne Filme dieser Gattung.

Doch was genau ist ein so genannter "Polizeifilm"? Wer dieses Wissen schon erworben hat, kann diesen Abschnitt getrost überfliegen. Es handelt sich hierbei um ein aktionsbetontes Subgenre des Kriminalfilms, wobei selbstverständlich ein Polizist und seine Ermittlungen, einen schwerwiegenden Kriminalfall betreffend, im Mittelpunkt der Handlung stehen. Im amerikanischen Kino der 50er Jahre liegen seine Ursprünge, vor allem natürlich im Film noir, der zuerst die mit tödlichen Gefahren aufwartende Großstadt als Revier des Polizisten etablierte (z.B. in "Heißes Eisen des deutschen Regisseurs Fritz Lang von 1953). Der abwechslungsreiche Alltag der Polizisten ermöglichte es der Unterhaltungsindustrie, eine große Menge an Themen in ihre Produkte einzubringen, was bereits in den frühen Tagen des Fernsehens zur Entwicklung von Polizeiserien führte, z.B. "Chicago 1930"(1959-63), deren Tradition auch noch heutigen Fernsehen deutlich spürbar ist. Genretypisch ist sehr häufig eine Parallelmontage protagonistischer und antagonistischer Aktionen, was nicht selten zu einem spektakulären Showdown, der eindeutig vom Western geprägt ist, führt. Es ist daher kein Zufall, dass der Polizeifilm als "Großstadtwestern" bezeichnet wird. Seiner häufigen Trivialität entsprechend, sind die Verbrecher meistens relativ simpel charakterisiert, so werden sie sogar oft zu Schieß-budenfiguren oder nehmen regelrecht damönische Züge an, so dass Selbstjustiz der einzige Ausweg zu sein scheint. Besonders in den späten 60ern und den 70er Jahren wurde die Figur des Antihelden (z.B. in "Dirty Harry", "French Connection 1&2") immens populär. Zwar sollte man eine Verallgemeinerung vermeiden, aber diese Figuren besitzen dennoch einige generelle Gemeinsamkeiten. Der Protagonist nimmt zunehmend tragische Züge an; meistens ist er beziehunsunfähig, verfällt vereinzelt, wie Gene Hackmans Jimmy Doyle, wenn auch unfreiwillig, dem Drogenkonsum (im Gegensatz zu Frank Drebin, der sich lediglich vor dem Schlafengehen ein Glas Schlummifix gönnt!) und wird von selbstzerstörerischer Wut getrieben. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen zunehmend. Wie jedermann gut erkennen dürfte, ist der Polizeifilm aufgrund seiner standardisierten Elemente wie geschaffen für eine gründliche Parodie, da diese eben Standard-situationen aufgreift, übersteigert und mit eigenen, skurrilen Einfällen, beispielsweise solche, die sich auf Alltägliches im menschlichen Leben beziehen, der für gewöhnlich in den meisten Genrefilmen ausgespart wird (oder haben Sie schon häufig gesehen, wie in einem üblichen Polizeifilm der Kommissar dringend aufs stille Örtchen muss?), versieht. Auf andere Genres wie das Melodram, den Western und den Horrorfilm trifft dies ebenso zu. In der Filmgeschichte kam es bereits früh zu der Entstehung von Parodien. Noch vor den Marx Brothers, Laurel und Hardy und etlichen anderen drehte Buster Keaton im Jahre 1925 die Western-Parodie "Der Cowboy". Andere bekannte Beispiele sind beispielsweise "Tanz der Vampire"(1967) von Roman Polanski und diverse Filme von Mel Brooks, wie "Frankenstein Junior"(1974), "Spaceballs"(1987), übrigens mit Leslie Nielsen in der Hauptrolle, "Dracula-Tot, aber glücklich"(1995). Populär waren auch die "Airplane"-Filme des ZAZ-Teams, die 1980 und 1982 entstanden, Persiflagen auf die unzählbaren und definitiv unsäglichen "Airport"-Filme. Die frühen ZAZ-Filme sind jedoch rückblickend besser als Fingerübung zu sehen, da viele Gags einfach nicht zünden wollen. Mitte der 80er folgte dann die leider erfolglose Serie "Police Squad" (1982), die letztendlich die Vorlage für "Die Nackte Kanone" (1988) und die beiden ebenfalls gelungenen Fortsetzungen "Die Nackte Kanone 2 ½" (1991) und "Die Nackte Kanone 33 1/3" (1994) lieferte.

Doch was ist es, was diesen Film zu einer gelungenen Parodie macht? Es ist vor allem die Kenntnis des Autoren und der Regie, was das Objekt des Spotts betrifft. Dies beginnt bereits beim Vorspann, der anfangs einem klassischen Polizeifilm entnommen zu sein scheint, spätestens jedoch ins Wahnwitzige kippt, wenn der Zuschauer erkennt, wohin der Weg des Polizeiwagens führt. Bereits zu diesem Zeitpunkt fällt die sowohl als liebevolle Hommage als auch hemmungslose Verballhornung einzuschätzende Musik von Ira Newborn auf, die die Szenen herrlich übertrieben untermalt. In der Figur des Frank Drebin finden wir schließlich etliche Bezüge zu den oben erwähnten Antihelden. Harry "Dirty Harry" Callahan kam nie aus San Francisco heraus, Drebin jedoch legt sich bereits während der Pre-Credit-Sequenz furchtlos mit der Creme de la Creme des internationalen Terrorismus an. Desweiteren, so erfahren wir, erschoß er einmal völlig kaltschnäutzig fünf Schauspieler einer "Shakespeare im Park"-Darbietung , die gemäß ihrer Regieanweisung Julius Cäsar "ermordeten". Bei seiner Rechtfertigung benutzt er exakt die gleiche Sprachfloskel, die Calahan einst benutzte: "That’s my policy!". Filmkenner ringen da natürlich vor Lachen um Luft. Übertroffen wird dies lediglich im zweiten Teil der Reihe, in dem ein stolzer Drebin vom damaligen Präsidenten George Bush Sr. eine Auszeichnung für die "Erschießung seines 1000. Drogendealers" erhält, jedoch lässig gesteht, dass er die letzten beiden versehentlich mit dem Wagen überfuhr. Diese Ehrung ist allerdings eine Ausnahme. Wie seine Vorbilder bekommt Drebin meistens Ärger mit seinen Vorgesetzten, er ist ein großer Junge, ein Kind im Manne, das ernsthafte Probleme hat, aber letztendlich ist er Erfolg auf seiner Seite und das ist es ja, was zählt. Im wirklichen Leben und, in noch extremerer Form, in der Traumwelt Hollywoods. Da darf natürlich auch die obligatorische Autojagd nicht fehlen, die allerdings noch ein wenig destruktiver ausfällt als beispielsweise in "Bullitt"(1968). Denn Drebin ist ja dermaßen mit einer unnachahmlichen Schusseligkeit gestraft, die ihn in Situationen führt, die so schreiend komisch sind, dass man sich diesen Film immer wieder anschauen kann. Auch lassen sich immer wieder aufs Neue Details, etwa im Bildhintergrund, entdecken, die zuvor, auch beim 10. Anschauen, bisher verborgen geblieben waren. Die Fortsetzungen fallen qualitativ leider etwas ab, was vor allem damit zusammenhängt, dass die Filmzitate Überhand gewinnen. Bezog sich der Erstling vornehmlich auf das Kriminalfilmgenre, änderte sich das später grundlegend. Etliche populäre Filme der 70er, 80er oder frühen 90er Jahre werden durch den Kakao gezogen. Besonders fällt dies im dritten Teil auf. So werden u.a. "Die Unbestechlichen" (oder "Panzerkreuzer Potemkin", je nach Sichtweise), "Nur Samstag Nacht", "Flucht von Alcatraz", "Jurassic Park", "Krieg der Sterne" und "Thelma und Louise" parodiert. Keine Frage, auch dieser Film ist sehr lustig, aber im Nachhinein wird man doch nicht den faden Beigeschmack der Beliebigkeit und der Anbiederung an den Massengeschmack los, was auch aber mit der Welle der Plagiate von stark schwankender Qualität zusammenhängt, die diese Masche relativ schnell ausreizten , z.B. "Loaded Weapon 1" und die "Scary Movie"-Reihe", bei dessen zweitem Sequel übrigens ein gewisser David Zucker Regie führte. Über die etlichen Versuche Leslie Nielsens, einem ehemaligen B-Movie-Schauspieler, der in Filmen wie "Alarm im Weltall" (1956) spielte und mit Hilfe des ZAZ-Teams ein beachtliches Comeback erlebte, später an die alten Erfolge der "Nackte Kanone"-Serie anzuknüpfen, besonders über ein besonders misslungenes Machwerk, an dem ein deutscher Parfüm-Jäger als Produzent beteiligt war, hüllen wir an dieser Stelle gnädig den Mantel des Schweigens. Ist doch besser so, oder, Bernd? (Jonas Reinartz)




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