Lucy kehrt nach ihrem ersten Collegejahr nach Hause zurück, genauer gesagt in das luxuriöse Anwesen ihrer Familie auf Hawaii. Dort trifft sie nicht nur ihren stummen Vater Adam und ihre jüngere Schwester Erin wieder, sondern auch Ben, den Schimpansen der Familie, der seit Jahren praktisch als weiteres Familienmitglied behandelt wird. Ben ist intelligent, zutraulich und kann mithilfe eines Tablets sogar mit den Menschen kommunizieren. Lucy hat ihre Freundin Hannah mitgebracht, weitere Freunde kommen hinzu, das Wetter ist schön und alles sieht nach ein paar entspannten Tagen mit Pool und Meer aus. Die Lage verändert sich jedoch radikal, nachdem Ben von einem tollwütigen Tier gebissen wird. Sein Verhalten wird immer aggressiver. Als Ben auf die Menschen losgeht, bleibt Lucy und einigen anderen zunächst nur die Flucht in den Swimmingpool. Dort sind sie vor ihm vermeintlich sicher, weil Schimpansen nicht schwimmen können. Nur der Pool ist nicht gerade für einen mehrstündigen Aufenthalt vorgesehen, Hilfe befindet sich nicht in Reichweite, und Ben ist intelligent genug, um nicht einfach gelangweilt daneben zu sitzen und aufzugeben...
Die Geschichte oben könnte man auch verkürzt darstellen mit: Ein Schimpanse bekommt Tollwut und will anschließend Menschen töten. Oder noch kürzer: "CUJO" in der Affenvariante. Natürlich könnte man daraus auch eine komplizierte Geschichte über Genexperimente, einen geheimen Pharmakonzern und militärische Forschungen. Regisseur Johannes Roberts verzichtet erfreulicherweise weitgehend auf solchen Ballast (wie zum Beispiel auch bei seinem Film "47 METERS DOWN". Ben ist ein Schimpanse, Ben infiziert sich mit Tollwut, Ben wird aggressiv und die Menschen wollen überleben. So einfach und so spannend kann es sein. Der Film ist wirklich gut gemacht, Überlebenskampf pur, mit einem toll getricksten Affen. Roberts wollte ausdrücklich keinen vollständig digitalen Affen, sondern setzte so weit wie möglich auf praktische Effekte. Bewegungskünstler Miguel Torres Umba steckt in einem von Millennium FX entwickelten Affenkostüm, ergänzt durch Prothesen, Animatronics, Puppenspiel und digitale Effekte. Für bestimmte Einstellungen kamen außerdem verlängerte Arme, verschiedene Köpfe und unterschiedliche Kontaktlinsen zum Einsatz, um die fortschreitende Tollwut sichtbar zu machen. Digital wurde allerdings auch nachgeholfen, in manchen Aufnahmen auch erheblich, aber die Grundlage blieb eine physisch vorhandene Figur, mit der die Schauspieler tatsächlich interagieren konnten. Echte, physische Figuren sind eben doch immer noch furchterregender als reine Digitalklumpen. Was mich besonders positiv gestimmt hat, ist die Musik. Adrian Johnston liefert einen Score, der sich deutlich von vielen modernen Horrorfilmen unterscheidet. Statt nur dunkle Klangflächen unter die Bilder zu legen und immer dann laut zu werden, wenn etwas ins Bild springt, arbeitet Johnston viel mit Synthesizern, rhythmischen Motiven und einer bewusst etwas altmodischen Klangästhetik. Für mich erinnert das stellenweise erstaunlich stark an alte italienische Horrorfilme, Goblin, Fabio Frizzi, aber auch etwas Carpenter ist dabei. Für mich der allergrößte Pluspunkt, vor allem die "Primate End Credits". Ach so, und es geht teilweise auch wirklich hart zur Sache. Welche Verletzungen so ein Schimpanse verursachen kann, ist schon bitter. (Haiko Herden)
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